Ernte 2020: Unterdurchschnittliche Erträge

Mattersburg, 22. 6. 2020

Regionale Lebensmittelversorgung muss gesichert bleiben.

Die erste Jahreshälfte 2020 war für unsere Landwirte nicht einfach. Die anhaltende Hitze im Frühjahr machte die Kulturen anfällig für Schädlinge und der notwendige Niederschlag kam später als erhofft. Doch unsere Bauern müssen mit diesen Gegebenheiten leben und sind bemüht, trotz dieser schwierigen Ausgangslage hochwertige Nahrungsmittel zu produzieren. Bei dem heutigen Presse-Erntegespräch in Mattersburg bei Ackerbauer Maximilian Wohlfahrt wurde ein Ausblick über die bevorstehende Ernte gegeben.

lwk
Maximilian Wohlfarth (Ackerbauer Mattersburg), Nikolaus Berlakovich (Präsident der Burgenländischen Landwirtschaftskammer), Josef Moosbrugger (Präsident der Österreichischen Landwirtschaftskammer)

Ehrliche Rahmenbedingungen, klare Zukunftsstrategie

„Damit unsere Produkte wieder den ihnen zustehenden Marktwert haben, brauchen wir ehrliche Rahmenbedingungen, um im Markt auf Augenhöhe agieren zu können. Das bedeutet faire Verhältnisse im Umgang mit den Partnern in Verarbeitung und Handel und das meint weiter Wettbewerbsfähigkeit gegenüber Billigimporten aus Drittstaaten oder Übersee. Wir brauchen auch Investitionen nach einer klaren Zukunftsstrategie, um letztlich mehr Einkommen aus dem Markt zu holen. So wichtig und notwendig die Gelder aus der Gemeinsamen Agrarpolitik sind, so notwendig und für die Zukunftsfähigkeit der Betriebe entscheidend sind die Einkommen, die aus dem Markt erwirtschaftet werden. Und hier müssen die Investitionen die Basis und faire Regeln den Rahmen bilden“, so Josef Moosbrugger, Präsident der Österreichischen Landwirtschaftskammer.

 

Ernte in Krisenzeiten

„Unsere Bäuerinnen und Bauern sorgen auch in Krisenzeiten für eine sichere Ernte. So stellte die heurige Getreideernte die Bauernfamilien vor ganz besondere Herausforderungen: Notwendige Arbeiten mussten trotz Corona-Pandemie zeitgerecht erledigt werden, anhaltende Trockenheit sorgte für ein Niederschlagsdefizit und das begünstigte die Vermehrung von Schädlingen. All diesen Widrigkeiten zum Trotz wird für heuer österreichweit eine nur leicht unterdurchschnittliche Ernte erwartet. Um auch in Zukunft den Tisch sicher decken zu können, braucht die Landwirtschaft eine stabile Agrarpolitik mit einem ebenso stabilen finanziellen Rahmen. Die österreichische Bundesregierung hat mit dem Entlastungs- und Forstpaket ein klares Bekenntnis zur Land- und Forstwirtschaft abgegeben. Wir fordern ein solches auch von der europäischen Politik“, verlangte Moosbrugger.

 

Burgenland: Bis zu 60 Prozent Niederschlagsdefizit

„In den letzten Jahren hatten unsere Bauern immer mehr mit Wetterextremen zu kämpfen.

Durch den trockenen und milden Winter sowie einem Niederschlagsdefizit bis zu 60 Prozent bis Mitte Mai, mussten die burgenländischen Bauern in manchen Regionen sogar geschädigte Kulturen umbrechen und Alternativkulturen nachbauen. Nach der Trockenheit im Winter und Anfang des Jahres, folgte eine Periode mit teilweise intensiven Niederschlägen. In manchen Regionen regnete es sehr viel, in anderen wiederum gar nicht. Der Regen kommt vor allem den Frühjahrskulturen zugute, jedoch für das reifende Getreide war er zu spät. Der Niederschlag kam dieses Jahr ein paar Wochen später als letztes Jahr. Laut der aktuellen Schätzungen fällt im Burgenland die heurige Ernte unterdurchschnittlich, in manchen Regionen sogar stark unterdurchschnittlich aus. Bei vielen Standorten und Kulturen schätzen wir bis zu 35 Prozent weniger Ertrag, bis hin zum Totalausfall. Diese schwierigen Bedingungen fordern unsere Bauern jedes Jahr aufs Neue. Wir müssen auch in Zukunft die nötigen Betriebsmittel für sie bereitstellen, damit sie regionale Lebensmittel für die Bevölkerung produzieren können“, so der Burgenländische Landwirtschaftskammerpräsident Nikolaus Berlakovich.

 

Die Selbstversorgung mit regionalen Lebensmitteln muss gesichert bleiben

„Österreich kann sich derzeit noch mit Getreide selbst versorgen. Der Selbstversorgungsgrad liegt bei 95 Prozent. Doch der Klimawandel und das zunehmende Verbot von Betriebsmitteln gefährden immer mehr die Produktion regionaler Lebensmitteln. Regionalität hat Vorrang, der Import von Produkten schwächt unsere heimische Landwirtschaft und macht uns vom Ausland abhängig. Im Burgenland brauchen wir konventionell als auch biologisch produzierende Bauern, um die Selbstversorgung mit regionalen Lebensmitteln zu sichern. Daher müssen wir auch in Zukunft beiden Bewirtschaftungsweisen gleichermaßen wertschätzen. Sowohl die konventionelle als auch die biologische Landwirtschaft haben gezeigt, dass sie die Selbstversorgung mit regionalen Lebensmitteln garantieren können“, so Präsident der Burgenländischen Landwirtschaftskammer Nikolaus Berlakovich.

 

Risikovorsorge in Zeiten des Klimawandels wird immer wichtiger

Berlakovich abschließend: „Die wiederkehrenden erschwerten Bedingungen durch den Klimawandel verdeutlichen, wie wichtig eine zuverlässige Risikovorsorge für unsere Bauern ist. Die Österreichische Hagelversicherung hat sich über die Jahre zu einer echten Katastrophenvorsorge entwickelt. Vor allem der Ausbau der Hagelversicherung für Dürreschäden war ein Schritt in die richtige Richtung. Durch diese wichtige Vorsorge wird den Landwirten eine Perspektive gegeben und eine Sicherheit in Zeiten des Klimawandels gewährleistet. Doch der wiederkehrende Trend zu einem trockenen Frühjahr macht es immer wichtiger, Entschädigungssysteme für Kulturen wie Sommergerste oder Winterraps auszubauen.“

 

Wirtschaftlichkeit abwiegen und dann Handeln

„Nach der Trockenheit war mir klar, dass ich die Erträge, die ich normalerweise auf dem Feld erhalte, dieses Jahr nicht mehr bekommen werde. Die Trockenheit war einfach zu weit fortgeschritten. Jedes Feld ist hinsichtlich Witterung und Bodenbeschaffenheit individuell zu betrachten. Man muss die Pflanzen und den Boden genau begutachten und dann abwiegen, ob sich eine Düngung lohnt oder nicht. Aufgrund der Trockenheit habe ich bei diesem Feld keine zweite oder dritte Düngung vorgenommen. Das schützt den Boden“, so Maximilian Wohlfarth, Ackerbauer aus Mattersburg.

 

Share Button

Related posts