ARBÖ Burgenland: Mobilität im Corona-Lockdown

Eisenstadt, 21. 8. 2020

23% weniger Verkehr – weniger Verkehrstote im Burgenland – Nachholeffekt bei Service – Tipps für einen neuen Lockdown

Die staatlichen Maßnahmen, die mit dem Lockdown am 16. März 2020 getroffen wurden, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, haben die Mobilität in einem Ausmaß verändert und eingeschränkt, wie es in Österreich noch nicht der Fall war.

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ARBÖ-Präsident Dr. Peter Rezar, Gerhard Graner, technischer Leiter des ARBÖ Burgenland, und Rene Paar, Techniker im Landeszentrum Eisenstadt

Eine Bilanz über Mobilität im Burgenland während des Corona-Lockdown zogen ARBÖ-Präsident Dr. Peter Rezar und der technische Leiter des ARBÖ Burgenland, Gerhard Graner: „Insgesamt kann gesagt werden, dass das Auto während der Covid-19-Pandemie speziell im ländlichen Raum unverzichtbar war und damit auch das Service des ARBÖ als Autofahrerorganisation bei Defekten und Pannenfahrten“, betont Präsident Rezar. „Individuelle Mobilität mit dem eigenen Kraftfahrzeug ist im Fall einer Pandemie sehr wichtig, um notwendige Fahrten durchführen zu können. Deshalb sollte man auch für das Auto die notwendige Vorsorge machen, damit der Pkw bei einem Lockdown technisch fit ist“, schließt Graner.

Positiv: Weniger Verkehr – weniger Unfälle

Die Verkehrszählungen der ASFINAG für die ersten sechs Monate 2020 haben ergeben, dass der allgemeine Lockdown bundesweit während der Corona-Krise für einen Rückgang des Gesamtverkehrs von 23 Prozent im ersten Halbjahr gesorgt hat. „Positiv hat sich das niedrigere Verkehrsaufkommen auf die Zahl der in Straßenverkehr getöteten Personen ausgewirkt“, erklärt Rezar. Von 1. Jänner bis 2. August 2020 gab es im österreichischen Straßennetz 179 Verkehrstote. Im Vergleichszeitraum 2019 waren es 242. „Ein deutlicher Rückgang bei den Verkehrstoten war auch im Burgenland festzustellen: In diesem Zeitraum gab es sieben Verkehrstote, 2019 waren es von 1. Jänner bis 2. August 16 Personen, die ihr Leben auf den Straßen verloren haben.“

Gebremste Mobilität

Wegen der Ausgangssperre brauchten die Menschen den Pkw nur in ganz dringenden Fällen, und in solchen Situationen musste das Auto dann wirklich funktionieren. „Die ARBÖ-Pannenflotte im Burgenland war auch während der Pandemie voll im Einsatz. Alle sieben burgenländischen ARBÖ-Prüfzentren waren mit einem Journaldienst besetzt“, erklärt Rezar.

Die Kennzahlen der ARBÖ-Leistungsstatistik stellen die „gebremste Mobilität“ eindeutig dar: „Bei den §57a-Begutachtungen gab es im März und im April 2020 einen Rückgang von mehr als 40 Prozent im Vergleich zu 2019, dafür im Mai 2020 einen Anstieg von 16 Prozent im Vergleich zu Mai 2019. Das belegt einen Aufholeffekt nach dem Lockdown“, sagt Rezar. Noch deutlicher wird dieser Nachholbedarf bei den §57a-Überprüfungen in absoluten Zahlen: „Von April 2020 zu Mai 2020 gab es eine Steigerung um rund 100 Prozent: Im April wurden in allen sieben Prüfzentren 1.612 Pickerl ausgestellt, im Mai waren es 3.228“, führt Graner aus.

Bei den Pannen hingegen konnte der ARBÖ im Vergleich zum Vorjahr einen weit geringeren Rückgang feststellen: Im März und im Mai 2020 war ein Rückgang bei den Pannenfahrten von etwas mehr als zehn Prozent festzustellen, im April von knapp über 20 Prozent. „Die Zahl der Ankauftests für Gebrauchtwagen ging im April 2020 um fast 90 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurück. Das belegt, dass in diesen Wochen kaum jemand daran gedacht hat, sich einen ‚neuen Alten‘ zu kaufen“, erklärt Graner.

Ein weiteres Beispiel sind Ölwechsel, die an den Fahrzeugen jedes Jahr durchgeführt werden sollten: Es gab einen Rückgang um zwei Drittel, dafür gab es im Mai 2020 im Vergleich zum Mai 2019 eine Steigerung um fast 15 Prozent. „Die Statistik veranschaulicht den Nachholbedarf für Servicearbeiten an den Kraftfahrzeugen nach dem Lockdown“, so der technische Leiter.

Tipps für einen neuen Lockdown

„Eine Auffälligkeit bei allen Pannenfahrten, die die Techniker im April und in den ersten Mai-Wochen durchgeführt haben, waren defekte, leere Batterien. Durch das Nichtbenutzen der Fahrzeuge von rund zwei Wochen haben sich speziell ältere, schwache Akkus entladen oder wurden kaputt“, weiß Graner. „Eine Abhilfe, um leere Akkus zu vermeiden, wäre – wenn eine 230-Volt Haushalts-Steckdose in Reichweite ist – ein Dauerbatterieladegerät am Pkw anzuschließen.“

Ein weiterer Tipp ist – wenn ein Lockdown angekündigt wird – das Fahrzeug rechtzeitig vollzutanken. Die Tankstellen waren im März und April zwar geöffnet, doch alle endgültigen Auswirkungen eines Lockdown aufgrund einer Pandemie mit einer daraus resultierenden Spritknappheit können nie zu 100 Prozent vorausgesagt werden.

Allfällige, notwendige Servicearbeiten sollten noch rasch vor einem Lockdown durchgeführt werden, damit das Kraftfahrzeug bei dringenden Fahrten auch funktioniert und man am Ende bei einem auftretenden Defekt nicht vor verschlossenen Werkstattüren steht.

„Allgemein gilt, Informationen einzuholen, welche automotiven Branchen von einer Schließung auch tatsächlich betroffen sind“, empfiehlt der ARBÖ-Techniker. „Wenn auch Kfz-Werkstätten ihren Betrieb fortsetzen dürfen – wie dies bei der Covid-19-Pandemie im März und April der Fall war – kann es sein, dass dringend benötigte Ersatzteile nicht verfügbar sind, weil Zulieferer betroffen sind.“

 

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