Corona in Tansania – Ein Bericht von Prof. Wolfgang Rinner

Tansania, 10. 10. 2020

Rinner
Prof. h.c. Wolfgang Rinner

Seit Oktober 2019 lebt unser Islamexperte Wolfgang Rinner in Ostafrika. Hatte er ursprünglich geplant, nur den Winter in diesen wärmeren Gefilden zu ver-bringen und im Frühjahr nach Österreich zurückzukehren, entschloss er sich aufgrund der Pandemieentwicklung, bis auf weiteres in Tansania zu bleiben.

In den letzten Monaten habe ich stets aufmerksam die Entwicklung der Corona-Pandemie in Europa generell und in Österreich speziell verfolgt. Wollte ich ur-sprünglich im März nachhause fliegen, verschob ich es aufgrund der pandemi-schen Entwicklung auf September. Aber auch dieses war mir nicht möglich, weil ich nicht 14 Tage in Quarantäne gehen möchte wegen eines Aufenthaltes von maximal drei Wochen. Besonders interessiert verfolge ich daher stets die offizielle Wortwahl, um die Menschen zu informieren. Aus Positiv-Getesteten wurden rasch Infizierte und in weiterer Folge sprach man sehr oft nur noch von “Fällen”. Rasch wurde mir klar, dass daher die nicht einschlägig Gebildeten positiv getestet zuerst mit infiziert und infiziert in weiterer Folge mit krank gleichsetzen.

Mitte März tauchte auch bei uns in Tansania die erste Positiv-Getestete auf und nach nur zwei Monaten gab es etwas mehr als 500 davon. Da auch sieben Menschen “an oder mit dem Virus” verstarben, brodelte sofort die Gerüchte-küche über und schon bald machten Panikgeschichten die Runde. Solche wie, dass auf der Straβe reihenweise die Menschen umfielen und an Corona sterben würden.

Im April dann stellte sich heraus, dass die erste positiv getestete Dame nur vorgetäuscht hatte, an Covid 19 erkrankt zu sein, weil sie damit berühmt werden wollte. Sie war aus Europa zurückgekehrt und da passte es ihr ganz gut ins Konzept, zu behaupten, sie sei nun erkrankt. Selbstverständlich wurden in weiterer Folge die Schulen geschlossen, die Menschen angehalten immer und überall die Hände zu waschen bzw. zu desinfizieren und beim Betreten von öffentlichen Gebäuden eine Maske zu tragen. Da jedoch taugliche MNS-Masken für die Mehrheit der Menschen unerschwinglich sind, war dem Erfindungsreich-tum im Selbernähen keine Grenzen gesetzt. Alles zumeist Masken aus luftigen Baumwoll- oder Kunststoffgeweben, die keinerlei Schutz bieten.

Insgesamt kann es sich kaum ein afrikanisches Land leisten, seine Bevölkerung umfassend auf Corona zu testen, weil die Kosten dafür jeden büdgetären Rahmen sprengen würden. Somit kann auch angenommen werden, dass die Dunkelziffer an Trägern von Virenteilen wesentlich höher ist. Im Mai wurde sogar festgestellt, das der Staat Malawi keine Coronafälle aufzuweisen hat. Daher wurde der Präsident gefragt, warum das so sei. Er antwortete, dass man über keine Corona-Testsets verfüge, und das Virus daher nicht nachgewiesen werden könne. Keine Tests heiβt also kein Corona. Und im Umkehrschluss: Viele Tests bedeuten viele Coronafälle.

Der Präsident von Tansania hatte, als immerhin promovierter Chemiker, einige Male die Genauigkeit der Coronatests überhaupt angezweifelt und in einer Rede Zuhörer und Presse informiert, er habe Proben einer Ziege, Papya, eines Schafes und von Motoröl mit Namen von Menschen versehen und diese dann auf Corona testen lassen. Daraufhin seien die Papya und das Schaf positiv getestet worden. Es wird erzählt, er habe empfohlen, Payas zu isolieren, also in Quarantäne zu schicken. Auf alle Fälle besitzt er Humor.

Ingesamt wurde das Land jedoch wirtschaftlich nicht an die Wand gefahren, die Schulen im Juli wieder geöffnet und die Menschen aufgefordert, auch weiterhin zur Arbeit zu gehen. Laut den letzten mir bekannten Zahlen das Wirtschafts-wachstum betreffend, verzeichnet Tansania ein Plus von 5,2 % und die anderen Länder Afrikas mit einem mehr oder minder “Lock Down” allesamt ein Minus.

In den Medien weltweit, besonders aber in Deutschland und von der WHO und den Nachbarländern wurde der Präsident klarerweise verrissen und zum Teil bis ins Lächerliche kommentiert. Seit Juli geht das Leben bei uns jedoch wieder seinen gewohnten Lauf und die Corona-Pandemie spielt allenfalls nur noch eine Nebenrolle. Man sollte sich auch bewusst sein, dass die Mehrheit der Menschen Afrikas, und somit auch Tansanias, bitterarm ist und im wahrsten Sinne des Wortes nur von der Hand in den Mund lebt. Bei der durchwegs geringen Ent-lohnung von Handwerkern und Taglöhnern können sich diese keine Reserven aufbauen, um eine längere Phase ohne Arbeitsentgelt mit ihren Familien zu überleben. Das Resultat wäre ganz einfach eine Hungersnot. Daher ist wohl auch verständlich, dass man sich einen kompletten “Lock Down” ganz einfach nicht leisten wollte.

 

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