Volkshilfe Modell der Kindergrundsicherung

Stegersbach, 16. 10. 2020

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Am 17. Oktober ist Tag gegen Armut. Vor allem Kinder trifft Armut besonders hart. Jedes 5. Kind ist in Österreich armutsgefährdet. Die aktuelle COVID19-Krise verschärft die Situation noch weiter. Die Volkshilfe hat darum das Modell der Kindergrundsicherung erarbeitet. Volkshilfe Burgenland Präsidentin Verena Dunst erörtert gemeinsam mit Bundesgeschäftsführer, Direktor Erich Fenninger den Lösungsansatz der Volkshilfe.


KINDERARMUT ABSCHAFFEN – Die Kindergrundsicherung der Volkshilfe

Aktuell sind in Österreich, dem drittreichsten Land der EU, 19% der Kinder und Jugendlichen bis 18 Jahre von Armut und Ausgrenzung betroffen. Das sind 303.000 Kinder, jedes 5. Kind in Österreich. Im Burgenland gibt es 6.000 armutsgefährdete Kinder. Jedes einzelne Kind ist eines zu viel! Besonders oft betroffen sind Kinder von alleinerziehenden Müttern oder Vätern und Kinder, die mehr als zwei Geschwister haben.

Die COVID-19 Krise hat die Situation noch weit schlimmer gemacht. Die Volkshilfe startete eine Umfrage unter armutsbetroffenen Eltern.  Mehr als Dreiviertel aller Befragten (79 Prozent) gab im Sommer an, sich jetzt noch mehr Sorgen über die Zukunft zu machen. Über die Hälfte (55 Prozent) sorgen sich, dass ihre Kinder in der Schule nicht gut abschließen werden. Auf die Hälfte der befragten Familien (51 Prozent) hat sich die Corona-Krise finanziell negativ ausgewirkt. Auf die Frage, ob und wie sich die Emotionalität ihrer Kinder in der Corona-Krise verändert hat, gaben jeweils mehr als die Hälfte der Eltern an, dass ihre Kinder trauriger (74 Prozent), einsamer (57 Prozent) oder aggressiver (53 Prozent) waren als zuvor.

Die Volkshilfe verfolgt das Ziel, dass jedes Kind, unabhängig von der Einkommenssituation seiner Eltern, alle Chancen hat und Kinderarmut in Österreich abgeschafft wird. Das klingt utopisch – ist es aber nicht. Dafür wurde das Modell Kindergrundsicherung entwickelt, das bei Realisierung zu einem Ende der Kinderarmut in Österreich führt.

Die Basis ist eine kindbezogene Transferleistung. Der Betrag leitet sich aus der Schuldnerberatung ab und steigt, je geringer das Einkommen der Eltern ist: Die universelle Komponente in der Höhe von 200 Euro erhalten alle Kinder, sie ist mit den derzeitigen universellen Familienleistungen (Stand 2018) vergleichbar. Die einkommensgeprüfte Komponente von zusätzlich bis zu 425 Euro wird abhängig vom jährlichen Familieneinkommen (Untergrenze: 20.000, Obergrenze: 35.000) ausbezahlt. Das bedeutet, alle Kinder haben Anspruch, einkommensarme Familien erhalten entsprechend mehr. Die Leistungen aus der Kindergrundsicherung sollen die Finanzierung der vier Dimensionen kindlicher Entwicklung sicherstellen: Materielle Versorgung, Bildungschancen, soziale Teilhabe und gesundheitliche Entwicklung.

Was ist relative Armut?

Armut ist relativ. Armut im Südsudan – dem ärmsten Land er Welt – sieht anders aus, als Armut in Österreich. In Österreich sprechen wir daher von „relativer Armut“. Im Gegensatz zur absoluten Armut – die sich in Hunger und Obdachlosigkeit ausdrückt – wird relative Armut am allgemeinen Lebensstandard der jeweiligen Gesellschaft gemessen. Als arm gelten jene Menschen, denen es aus finanziellen Gründen nicht möglich ist, in Österreich übliche Güter zu erwerben bzw. zu konsumieren – und denen dadurch eine gesellschaftliche Teilhabe verwehrt bleibt.

Wer gilt als armutsgefährdet?

Als armutsgefährdet gilt, wer mit weniger als 60 % des mittleren Einkommens der Gesamtbevölkerung auskommen muss. Diese Einkommensgrenze wird Armutsgefährdungsschwelle genannt. Aktuell liegt sie in Österreich bei 1.286 Euro monatlich für einen 1-Personen-Haushalt. Der Wert erhöht sich pro weiterer erwachsener Person im Haushalt (um den Faktor 0,5) und pro Kind unter 14 Jahren (um den Faktor 0,3).

Armutsgefährdungsschwelle in Österreich (nach Monatseinkommen):

1 Personen-Haushalt: 1.286 €
1 Erwachsener + 1 Kind: 1.671 €
2 Erwachsene + 2 Kinder: 2.700 €

Volkshilfe Burgenland Präsidentin Verena Dunst: “Es gibt kaum etwas Schöneres, als Kinder in ihrer Entwicklung zu begleiten. Kinder, die in Geborgenheit und ohne existenzielle Sorgen leben. Doch immer mehr Kinder und Jugendliche haben nicht die gleichen Chancen auf ein gelingendes Leben. Sie haben keine adäquate Winterkleidung, sind öfters krank und können nie in Urlaub fahren. Dadurch werden sie vom sozialen Leben ausgeschlossen.“

Volkshilfe Direktor Erich Fenninger:  „Kinderarmut ist der Skandal der Gegenwart. Vor allem in einem so reichen Land wie Österreich. Dagegen stehen wir auf. Wir sind es leid nur den Mangel zu verwalten. Wir wollen, dass jedes Kind die Chancen hat sich zu verwirklichen. Deshalb treten wir an,  die Kinderarmut in Österreich abzuschaffen.“

Mehr Informationen finden Sie unter: www.kinderarmut-abschaffen.at

 

 

 

 

 

 

 

 

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