Eisenstadt, 11. 8. 2026
Am 12. August schiebt sich der Mond über dem Burgenland vor fast neun Zehntel der Sonne – doch der Höhepunkt findet unter dem Horizont statt. Der Burgenländische Arbeitskreis Astronomie lädt an zwei Standorten zur öffentlichen Beobachtung: nach Eisenstadt und nach Unterrabnitz.
Es ist das Himmelsereignis einer Generation – und es hat einen Haken. Am Mittwoch, dem 12. August 2026, verfinstert sich die Sonne über dem Burgenland beinahe so stark wie zuletzt am 11. August 1999, fast auf den Tag genau 27 Jahre davor. Um 19:22 Uhr beginnt der Mond, sich vor die Sonnenscheibe zu schieben. Bis zum Sonnenuntergang wächst die Bedeckung auf rund drei Viertel bis vier Fünftel der Sonnenfläche. Das rechnerische Maximum von knapp 88 Prozent erreicht die Finsternis über Ostösterreich allerdings erst um 20:14 Uhr – da steht die Sonne bereits unter dem Horizont. Wer etwas sehen will, braucht zwei Dinge: freie Sicht nach Westnordwest und einen zertifizierten Sonnenfilter. Der BAA beobachtet gemeinsam mit der Öffentlichkeit in Eisenstadt-Kleinhöflein und im Frühmittelalterdorf Unterrabnitz.
Eine Finsternis, die mit dem Sonnenuntergang um die Wette läuft
Über Island und Nordspanien wird die Sonne an diesem Abend vollständig verfinstert. Über Mitteleuropa bleibt eine partielle Finsternis – über dem Burgenland eine besonders tiefe. Das Besondere und zugleich Schwierige: Sie fällt exakt in den Sonnenuntergang.
Für die allermeisten von uns ist der 12. August die tiefste Sonnenfinsternis, die wir von Österreich aus je erleben werden – die nächste totale kommt erst am 3. September 2081. Und ausgerechnet diese Finsternis versteckt ihren Höhepunkt unter dem Horizont. Rechnerisch erreichen wir im Burgenland knapp 88 Prozent Bedeckung, aber genau dann ist die Sonne schon weg. Was wir sehen, ist die zunehmende Sichel – und ein Sonnenuntergang, wie ihn niemand von uns je gesehen hat.
Stefan Wallner, Obmann des Burgenländischen Arbeitskreises Astronomie
Warum diese Finsternis schwierig zu beobachten ist
Die Sonne steht während des gesamten Ereignisses tief: bei Beginn rund sieben Grad über dem Horizont, danach sinkt sie stetig. Sie geht im Westnordwesten unter, nicht genau im Westen, wie viele vermuten. Damit wird der eigene Horizont zum entscheidenden Faktor.
Der Horizont entscheidet über alles. Jedes Grad, das der Horizont höher liegt – ein Hügelzug, eine Baumreihe, eine Häuserfront –, kostet rund acht Minuten Beobachtungszeit und mehr als zehn Prozentpunkte Bedeckung. Deshalb haben wir unsere Standorte vorab vermessen, statt einfach irgendwo hinzufahren.
Stefan Wallner, BAA
Entscheidend ist dabei: Der Horizont ist keine Eigenschaft eines Ortes, sondern des Standpunkts. Eine fünfzehn Meter hohe Pappelreihe in fünfhundert Metern Entfernung ergibt bereits 1,7 Grad, ein Zehn-Meter-Haus zweihundert Meter vor einem knapp drei Grad. Innerhalb ein und derselben Gemeinde entscheidet damit die Wahl zwischen dem Feldweg und dem eigenen Garten über die gute Sichtbarkeit.
In Zahlen für Eisenstadt: Bei völlig freiem Horizont versinkt die Sonne um 20:12 Uhr bei 87 Prozent Bedeckung. Steht eine Hügelkette von einem Grad im Weg, ist um 20:05 Uhr bei 75 Prozent Schluss. Bei zwei Grad endet das Schauspiel schon um 19:58 Uhr bei 59 Prozent – und bei fünf Grad, wie sie ein näher gelegener Bergrücken leicht erreicht, bleiben nur 18 Prozent übrig.
Ohne Filter geht gar nichts
Die Sonne darf niemals ungeschützt betrachtet werden – auch nicht kurz, auch nicht tiefstehend, auch nicht durch eine Wolkenschicht.
Auch eine rot-glühende, tiefstehende Sonne strahlt weiter im Infraroten, und die Netzhaut hat keine Schmerzrezeptoren – man merkt den Schaden erst, wenn er da ist. Ein einziger ungefilterter Blick durch ein Fernglas oder ein Teleskop genügt für eine bleibende Verbrennung. Zertifizierte Finsternisbrille nach EN ISO 12312-2, und bei jeder Optik gehört der Filter vor das Objektiv, niemals dahinter.
Stefan Wallner, BAA
So beobachtet man richtig:
– Finsternisbrille mit CE-Kennzeichnung und Norm EN ISO 12312-2, aus dem Fachhandel. Vor Gebrauch gegen eine helle Lampe prüfen: Kratzer, Löcher oder Falten in der Folie bedeuten sofort aussortieren.
– Nicht geeignet sind Sonnenbrillen, berußte Gläser, Rettungsdecken, belichtete Filme, CDs, Röntgenbilder oder Schweißerglas unter Schutzstufe 14.
– Ferngläser, Teleskope und Kameras brauchen einen geprüften Objektivsonnenfilter vor der Optik. Eine Finsternisbrille am Okular schmilzt binnen Sekunden.
– Ohne Filter, aber sicher: die Lochkamera-Projektion. Ein kleines Loch in Karton wirft ein Bild der Sonnensichel auf eine helle Fläche – dasselbe leisten die Lücken im Laub eines Baumes.
– Standortwahl: freier Blick nach Westnordwest, Horizonthöhe möglichst unter einem Grad, gerne erhöht. Ebenen, Weingärten und Anhöhen sind ideal.
– Kinder nur unter Aufsicht beobachten lassen.
Zwei Standorte im Burgenland – gemeinsam statt allein
Wir wollen nicht, dass jemand allein im Garten steht und rätselt, wo die Sonne eigentlich untergeht. Bei uns gibt es gefilterte Teleskope, geprüfte Brillen, freie Sicht – und jemanden, der erklärt, was gerade passiert.
Stefan Wallner, BAA
Eisenstadt – Kleinhöflein: „Sundowner zur Sonnenfinsternis“
Gemeinsam mit der Stadt Eisenstadt lädt der BAA ab 17:30 Uhr zum Retentionsbecken Kleinhöflein. Liegestühle, Heurigengarnituren sowie Weine und Schmankerln der Kleinhöfleiner Winzer sorgen für den Rahmen, kostenlose Finsternisbrillen und die Teleskope des BAA für den sicheren Blick nach oben. Für den Beobachtungsplatz selbst wurde die Horizonthöhe mit 1,2 Grad ausgemessen; bei diesem Wert verschwindet die Sonne gegen 20:03 Uhr, bedeckt sind dann rund 72 Prozent der Sonnenfläche.
Unterrabnitz – Frühmittelalterdorf: Finsternis und Perseidennacht
Im abgelegenen Ambiente des Frühmittelalterdorfes beginnt der Abend ebenfalls um 17:30 Uhr. Um 18:00 Uhr führt eine kurze Wanderung zum Beobachtungsplatz mit freier Sicht nach Westnordwest, ab 19:20 Uhr wird die Finsternis verfolgt. Nach Sonnenuntergang geht es zurück ins Dorf – und dort weiter mit dem zweiten Höhepunkt des Abends.
Denn in derselben Nacht erreichen die Perseiden ihr Maximum, und weil Neumond herrscht, stört kein Mondlicht.
Wer in Unterrabnitz bleibt, erlebt beides: erst die Sichelsonne im Westen, dann die beste Sternschnuppennacht des Jahres unter einem wirklich dunklen Himmel. Solche Nächte sind selten geworden – dafür lohnt sich das Wachbleiben.
Stefan Wallner, BAA
Beide Veranstaltungen sind kostenlos und finden nur bei gutem Wetter statt.
Falls es diesmal nicht klappt: der 2. August 2027
Wer am 12. August verhindert ist oder von seinem Standort aus zu wenig vom Geschehen erwischt, muss nicht bis 2081 warten. Schon 355 Tage später, am Montag, dem 2. August 2027, schiebt sich der Mond erneut vor die Sonne – und diesmal zu einer weit bequemeren Stunde. Über dem Burgenland beginnt die Finsternis gegen 10:13 Uhr, erreicht ihr Maximum um 11:17 Uhr und endet um 12:23 Uhr. Bedeckt sind dann rund 48 Prozent der Sonnenfläche, das entspricht einer Größe von 0,57.
Schwächer also – aber ungleich einfacher zu beobachten. Die Sonne steht dann hoch über allem, was am Horizont stehen könnte. Kein Hügelzug, keine Baumreihe, keine Häuserfront kann sie wegnehmen, und der gesamte Verlauf über mehr als zwei Stunden ist von jedem Standort aus zu verfolgen. Total wird auch diese Finsternis, allerdings über Nordafrika und der Arabischen Halbinsel.
Der 12. August ist das seltenere Ereignis, der 2. August 2027 das bequemere. Wer heuer hinter einem Waldrand oder einer Häuserzeile steht, hat also im nächsten Sommer eine zweite Chance – in aller Ruhe, mitten am Vormittag. Aber eine verfinsterte Sonne, die vor den eigenen Augen untergeht, bekommt man nicht zweimal geschenkt.
Stefan Wallner, BAA
Für beide Termine gilt dieselbe Regel: Ohne zertifizierten Filter wird nicht zur Sonne geschaut. Am 2. August 2027 sogar noch dringlicher, denn dann steht sie hoch und in voller Helligkeit am Himmel.
Der 12. August 2026 auf einen Blick
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Beginn der Finsternis |
19:22 Uhr MESZ (Eisenstadt), 19:23 Uhr (Unterrabnitz) |
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Untergangsrichtung |
Westnordwest, Azimut 284° bei Beginn bis 293° bei Sonnenuntergang |
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Sonnenuntergang |
ca. 20:13 Uhr bei völlig freiem Horizont |
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Sichtbar bei 1,2° Horizont (Eisenstadt-Kleinhöflein) |
bis ca. 20:03 Uhr, dann rund 72 % der Sonnenfläche bedeckt |
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Sichtbar hinter 2° hohen Hügeln |
bis ca. 19:58 Uhr, dann rund 59 % bedeckt |
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Rechnerisches Maximum |
20:14 Uhr, 87,7 % der Fläche bzw. Größe 0,90 – dann bereits unter dem Horizont |
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Zuletzt vergleichbar |
11. August 1999 |
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Nächste Finsternis über dem Burgenland |
2. August 2027, spätvormittags, rund 48 % Bedeckung |
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Nächste totale Finsternis in Österreich |
3. September 2081 |
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Bonus in derselben Nacht |
Perseiden-Maximum bei Neumond |
Hinweis für die Redaktion: In Medienberichten kursieren zwei unterschiedliche Zahlen. Die häufig genannten 89 bis 90 Prozent sind die Größe der Finsternis, also der bedeckte Anteil des Sonnendurchmessers. Der bedeckte Anteil der Sonnenfläche – und damit des Lichts – beträgt rund 88 Prozent. Beide Werte gelten nur bei mathematisch freiem Horizont. Dieselbe Unterscheidung gilt für die Vorschau auf 2027: 48 Prozent Fläche entsprechen dort einer Größe von 0,57.
Interaktive Simulation zum Einbetten
Der Aussendung liegt eine kompakte Simulation der Finsternis für Eisenstadt bei (sonnenfinsternis-simulator.html). Sie ist eine einzelne Datei von rund 20 kB, läuft in jedem Browser ohne Installation und ohne Internetverbindung und ist für die redaktionelle Nutzung sowie die Einbettung in Online-Artikel freigegeben.
Leserinnen und Leser spielen darin den Ablauf des Abends ab und sehen, wie sich der Mond vor die Sonne schiebt, während diese zum Horizont sinkt. Ein zweiter Regler stellt keine abstrakte Zahl ein, sondern richtet die Hügelkette auf, die im Westnordwesten des eigenen Beobachtungsplatzes steht: Je höher die Berge, desto früher versinkt die Sonne – und desto weniger von der Finsternis bleibt übrig. Hinter der Silhouette läuft das Schauspiel als schwaches Geisterbild weiter, sodass unmittelbar sichtbar wird, was der Horizont wegnimmt. Voreingestellt sind die am Beobachtungsplatz in Kleinhöflein ausgemessenen 1,2 Grad; die Höhe ist jedoch keine Eigenschaft des Ortes, sondern des jeweiligen Standpunkts, weshalb jede Angabe ausdrücklich an den eingestellten Wert geknüpft ist.
Sonne und Mond sind in der Landschaft maßstäblich dargestellt; ein vergrößerter Ausschnitt am oberen Bildrand hält die Sichelform lesbar. Die astronomische Berechnung erfolgt topozentrisch nach IAU-Modellen und wurde gegen die Referenzwerte des IMCCE geprüft; die Abweichung liegt unter 15 Sekunden.
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