Trausdorf, 5. 8. 2026
Der Osten brennt aus. Im Burgenland ist die Getreideernte die schlechteste seit 56 Jahren. Die bevorstehende Herbsternte droht ebenfalls katastrophal zu werden. Daher braucht es dringend ein Dürre-Maßnahmenpaket, um bäuerliche Existenzen abzusichern.

„Aufgrund der langanhaltenden extremen Hitze und der fehlenden Niederschläge zeigen die Ergebnisse der abgeschlossenen Getreideernte nochmals einen Rückgang gegenüber den bereits pessimistischen Prognosen. Seit 1970 – also seit 56 Jahren – wurde im Burgenland noch nie so wenig Getreide geerntet wie heuer. Und die aktuellen Wetterbedingungen lassen auch für die Herbstkulturen wie Sonnenblume, Sojabohne, Körnermais, Zuckerrübe, Ölkürbis und Wein deutliche Ertragsausfälle befürchten. Das lässt bei den Bäuerinnen und Bauern im Burgenland alle Alarmglocken schrillen. Sie fürchten um ihre wirtschaftliche Zukunft. Gleichzeitig ist auch die ausreichende Versorgung der Bevölkerung mit regional erzeugten Lebensmitteln gefährdet“, erklärte der Präsident der Bgld. Landwirtschaftskammer Nikolaus Berlakovich heute anlässlich eines Pressegesprächs in Trausdorf.
Nachdem zu Erntebeginn im Burgenland die Produktionsleistung bei Getreide auf 256.000t geschätzt wurde, musste diese Prognose schon im Ernteverlauf weiter gesenkt werden. Die Erhebung der tatsächlichen Erntemengen durch die Statistik Austria hat nun für das Burgenland eine Getreideproduktion von nur mehr 219.000t ergeben. Das ist der niedrigste Wert seit 56 Jahren. Dieser Minderertrag von 37.000 t entspricht rund 1.500 LKW-Ladungen. Zum Vergleich: Die mengenmäßig nächstschlechteste Ernte gab es 2024 mit 225.000t.
Tropentemperaturen und extreme Niederschlagsdefizite machen auch deutliche Ernteausfälle bei Herbstkulturen immer wahrscheinlicher
Auch wenn Prognosen zu diesem Zeitpunkt schwierig sind, macht die anhaltende Extremwetterlage auch deutliche Ertragsausfälle bei den Herbstkulturen immer wahrscheinlicher. Im Burgenland gibt es heuer bis dato Niederschlagsdefizite von 50 % und mehr. Und das gerade im wichtigen Zeitraum der Ertragsbildung in den stehenden Kulturen. Außerdem setzen tropische Temperaturen von bis zu 65°C auf der Blattoberfläche den Pflanzen enorm zu. Die Folge können etwa fehlender Kolbenansatz und Vertrocknung beim Mais oder Blütenabwurf bei der Sojabohne sein. Aufgrund des fehlenden Grünfutters müssen viele Betriebe auch bereits ihren Körnermais als Futter für ihre Tiere einsilieren.
Erste Schritte gesetzt, aber unbedingt noch umfassendes, wirksames Dürre-Maßnahmenpaket nötig
Präsident Berlakovich: „Die Situation in der ackerbau- und weinbaugeprägten Landwirtschaft im Burgenland ist mehr als angespannt. Deshalb müssen alle Anstrengungen unternommen werden, um hier Maßnahmen zur wirtschaftlichen Abfederung der Betriebe zu ergreifen. Wichtig war dabei die Absicherung der Dürreversicherung mit der Prämienbezuschussung durch Bund und Länder. Die Wiedereinführung der Agrardieselrückvergütung für die nächsten zwei Jahre trotz Sparbudgets war ebenfalls eine wichtige Unterstützungsmaßnahme. Das Landwirtschaftsministerium hat auch bereits auf unsere Forderungen reagiert und per Erlass an die AMA u.a. festgelegt, dass dürregeschädigte Ackerkulturen heuer generell und ohne Sanktionen von der Ernteverpflichtung ausgenommen sind. Die bestehende Futtermittelplattform der Landwirtschaftskammern bietet zudem eine mögliche Hilfestellung für die Tierhalter.“
Es brauche aber, so Berlakovich, unbedingt noch ein umfassendes und wirksames Dürre-Maßnahmenpaket. Möglich wären eine Stundung der Sozialversicherungsbeiträge und der Agrarinvestkredite, Zuschüsse aus Mitteln der EU-Agrarkrisenreserve zur Abfederung der hohen Betriebsmittelpreise, ein Zinsenzuschuss bei Betriebsmittelkrediten und anderes.
Beratung der LK zu Klimaanpassungsmaßnahmen
„Der Klimawandel ist real und erfordert in der Landwirtschaft auch Anpassungsschritte. Als Landwirtschaftskammer Burgenland stehen wir unseren bäuerlichen Betrieben zur Seite und beraten schon seit vielen Jahren umfassend zu dieser Thematik, so Präsident Berlakovich abschließend.


