Wien/Eisenstadt – Während die politische Spitze im 30. Untersuchungsausschuss der Zweiten Republik oft die großen Schlagzeilen sucht, hat sich im „Maschinenzimmer“ der SPÖ-Fraktion ein Abgeordneter festgebissen, der für seine Gegner zunehmend unbequem wird. Maximilian Köllner, der burgenländische Sicherheitssprecher, transformiert den Pilnacek-Ausschuss von einer politischen Bühne in ein kriminalistisches Labor.
Als der Pilnacek-Untersuchungsausschuss im November 2025 seine Arbeit aufnahm, um die politische Einflussnahme rund um den Tod des ehemaligen Justiz-Sektionschefs Christian Pilnacek zu beleuchten, waren die Rollen klar verteilt. Jan Krainer übernimmt als erfahrener Fraktionsführer die Frontalangriffe auf die Ministerieebene, während Köllner – ein studierter Politikwissenschaftler und Bürgermeister aus Illmitz – die Basisarbeit leistet. Doch gerade diese Detailarbeit erweist sich nun als hochexplosiv.

Zwischen Thermometern und Ermittlungslücken
Köllners Strategie ist ungewöhnlich für einen Parlamentarier: Er agiert wie ein forensischer Ermittler. In den Befragungen seit Mitte Jänner 2026 konzentrierte er sich nicht auf abstrakte politische Vorwürfe, sondern auf die harten Fakten der Tatortsicherung. Mit präzisen Fragen nach dem Inhalt des Tatortkoffers brachte er Polizeibeamte in Bedrängnis. Besonders das Fehlen eines Thermometers zur Bestimmung der Körper- oder Wassertemperatur am Fundort der Leiche wurde durch Köllners Nachhaken zum Politikum. Ohne diese Basisdaten sei eine exakte Todeszeitbestimmung kaum möglich – eine Lücke im Protokoll, die Fragen zur Qualität der staatlichen Ermittlungsarbeit aufwirft.
„Passt ihr ned auf?“ – Wenn Zeugen die Nerven verlieren
Die Intensität, mit der Köllner Details wie eine verschwundene Smartwatch oder fehlende Standard-Checklisten bei der Spurensicherung thematisiert, führt zu spürbaren Spannungen im Ausschusslokal. Ein Polizeibeamter verlor bei einer Befragung derart die Fassung, dass er Köllner mit der Gegenfrage „Passt ihr ned auf?“ angriff – ein Vorfall, der dem Zeugen eine Rüge durch den Ausschussvorsitzenden Walter Rosenkranz einbrachte. Für Beobachter ist klar: Köllner lässt sich durch einen rauen Ton nicht einschüchtern. Er verknüpft technische Mängel mit der großen politischen Frage nach der Ressortsteuerung im Innenministerium. Dabei geht es auch um dubiose „Zeugenschulungen“, bei denen Beamte tagelang auf ihre Aussagen vorbereitet wurden – laut Köllner ein möglicher Versuch, unangenehme Wahrheiten zu verschleiern.
Die burgenländische Achse der Transparenz
Köllners Arbeit in Wien ist dabei eng mit der Strategie der SPÖ Burgenland verknüpft. Landesgeschäftsführer Roland Fürst nutzt Köllners Erkenntnisse, um den Druck auf das „System ÖVP“ zu erhöhen. Mit medienwirksamen Aktionen, wie der Verlosung von Peter Pilz’ Buch über den Fall Pilnacek, wird die parlamentarische Arbeit direkt in die Öffentlichkeit getragen. Köllner fungiert hierbei als operative Speerspitze. Er überführt die publizistischen Thesen von Aufklärern wie Peter Pilz in den offiziellen parlamentarischen Prozess. Die kommenden Wochen, insbesondere die Befragung von Peter Pilz im Februar 2026, werden zeigen, ob Köllners forensische Puzzleteile tatsächlich ein Gesamtbild politischer Intervention ergeben.
Zweiter interessanter burgenländischer Schauplatz
Auswertung der Smartwatch nach dem Tot Pilnaceks
Pilnacek trug die Smartwatch – im Gegensatz zu seinem Handy – bei sich, als er am 20. Oktober 2023 tot in einem Donau-Seitenarm bei Rossatz gefunden wurde. Das Landeskriminalamt Niederösterreich (LKA NÖ) stellte die Uhr um 12.30 Uhr sicher. Chefinspektor Hannes F. beauftragte das Bundeskriminalamt (BAK) mit der Auswertung, um Geo-Daten zur Nachvollziehung des Fußwegs in der Nacht vom 19. auf den 20. Oktober zu extrahieren. Die offizielle Auswertung ergab jedoch keine relevanten Ergebnisse: Keine Bewegungs- oder Pulsdaten, die den Todeszeitpunkt oder -ort klären könnten. Im Abschlussbericht des LKA hieß es: „Die Auswertung der auf der Smartwatch vorhandenen Daten ergab keine für das gegenständliche Ermittlungsverfahren relevanten Daten, insbesondere keine Geo-Daten zur Nachvollziehung des Fußweges.“ Die Verzögerung entstand durch fehlende Software beim BAK. Die extrahierten Daten wurden auf einem Datenträger gesichert, doch im Juni 2024 verweigerte das LKA die Ausfolgung an das BAK und die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA). Peter Pilz beschreibt in seinem Buch „Pilnacek – Der Tod des Sektionschefs“ (Seiten 94–98) dies als Teil einer möglichen Vertuschung: Nach der Vernichtung des Handys sei die Smartwatch das nächste Ziel gewesen. Er zitiert den Ermittlungsleiter: „Wenn ich gefragt werde, ob Kommunikationsdaten auf der Smartwatch ausgewertet werden konnten, gebe ich an, dass es 1200 Seiten gewesen wären.“ Pilz wirft die Frage auf, ob Daten absichtlich nicht ausgewertet oder gelöscht wurden, um Spuren zu Pilnaceks letzten Stunden zu tilgen. Die Zuständigkeit dazu liegt nun bei der Staatsanwaltschaft Eisenstadt di
Quellen und bisherige Berichterstattung:
Parlament Pilnacek U-Ausschuss: Die Gerichtsverfahren im Rückblick
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Herbert Unger – freier Journalist bei bkftv.at herbert.unger@bkftv.at oder 06645344908 Meine Artikel: https://bkftv.at/author/hu/ Schreiben Sie mir zum Thema Vertraulich: Threema ID: DBZ2S7ET |
Beitragsbild: Am Rednerpult Nationalratsabgeordneter Maximilian Köllner (SPÖ)
Parlamentsdirektion/Thomas Topf Aufnahmedatum: 22.11.2023
Für alle betroffenen Firmen, Institutionen, Personen, Verantwortlichen sowie für die Zuständigen gilt die Unschuldsvermutung. (hu) ++ende++


