Mattersburg, 30. 1. 2026
Klaus Jelinek, GRÜNER Gemeinderat in Mattersburg: „Ortskernsterben ist kein Naturgesetz. Es ist das Ergebnis politischer Entscheidungen in der Raumordnung.“

Was derzeit über Mattersburg diskutiert wird, kommt für die GRÜNEN leider nicht überraschend. In der Kronen Zeitung wird die Frage gestellt, ob Mattersburg zur Geisterstadt wird – ein drastischer Begriff, der jedoch ein reales Problem beschreibt: eine Innenstadt, die zunehmend an Leben verliert.
Diese Entwicklung ist kein Einzelfall, sondern steht exemplarisch für eine größere Herausforderung im Burgenland. Während in vielen Ortskernen Gebäude leer stehen, wird an den Ortsrändern weiterhin Boden versiegelt. Gleichzeitig weist das Burgenland bereits eine sehr hohe Dichte an Supermärkten pro Einwohner auf. Die Frage, wozu es immer neue Handelsflächen am Stadtrand braucht, drängt sich daher umso mehr auf.
Genau vor dieser Entwicklung haben die GRÜNEN Mattersburg seit Jahren gewarnt. Bereits bei der Errichtung der Arena und des Einkaufszentrums am Stadtrand wurde darauf hingewiesen, dass großflächiger Handel außerhalb des Zentrums Kaufkraft aus dem Ortskern abzieht. Die Folgen sind heute sichtbar: Kleine Betriebe geraten unter Druck, Geschäftsflächen bleiben leer, Begegnungsräume gehen verloren. Was kurzfristig als wirtschaftlicher Erfolg präsentiert wurde, entfaltet langfristig eine gegenteilige Wirkung.
Auch Sonja Sieber, ehemalige GRÜNE Gemeinderätin in Mattersburg, sieht darin eine bittere Bestätigung früherer Warnungen: „Wir haben damals im Rahmen etlicher Aktionen, Presseaussendungen etc. darauf hingewiesen, dass es nicht die Ausnahme, sondern die Regel ist: Einkaufszentren vernichten Innenstädte. In Deutschland wusste man das zu dieser Zeit schon und ruderte längst zurück. Bei uns im Burgenland tappte man lieber noch einmal in die schon bekannte Falle – und nun sieht man das Ergebnis!“
Besonders problematisch ist dabei die starke Autoabhängigkeit solcher Standorte. Einkaufszentren am Ortsrand sind fast ausschließlich mit dem Auto erreichbar und bringen zusätzliche Verkehrsbelastung sowie weitere Bodenversiegelung mit sich. Gleichzeitig fehlt genau dort jene Frequenz, die Städte lebendig macht.
Der aktuelle Krone-Artikel zeigt, dass viele Menschen diese Entwicklung inzwischen mit großer Sorge beobachten. Die Auswirkungen betreffen nicht nur den Handel, sondern das soziale Leben insgesamt. Lebendige Ortskerne sind zentrale Orte der Nahversorgung, des Austauschs und des Miteinanders. Kurze Wege, die zu Fuß, mit dem Rad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln bewältigt werden können, sparen Zeit und Geld und erhöhen die Lebensqualität.
Dazu äußert sich Klaus Jelinek, GRÜNER Gemeinderat in Mattersburg: „Ortskernsterben ist kein Naturgesetz. Es ist das Ergebnis politischer Entscheidungen in der Raumordnung – und genau dort müssen wir gegensteuern.“ Angesichts der aktuellen Situation sei besonders deutlich, dass die bisherige Entwicklung gescheitert sei: „Wenn inzwischen selbst in der Arena neue Leerstände entstehen und ein ganzer, erst vor wenigen Jahren errichteter Trakt von Anfang an leer steht, zeigt das, dass dieses Modell nicht einmal sich selbst trägt.“
Für Wirtschaftstreibende bieten belebte Ortskerne ebenfalls klare Vorteile: Sichtbarkeit, Laufkundschaft und die Einbettung in ein funktionierendes soziales Umfeld. Gleichzeitig stärken lebendige Zentren den Zusammenhalt zwischen den Generationen und fördern die Identifikation mit dem eigenen Ort.
Die Position der GRÜNEN ist daher klar und konsequent: Es braucht nicht noch ein Einkaufszentrum, das nur mit dem Auto erreichbar ist. Es braucht keinen x-ten Supermarkt am Ortsrand. Was gebraucht wird, sind starke Nahversorger und wirtschaftlich aktive Ortskerne.

