Wien, 23. 4. 2026
Sport Austria warnt vor Budgetkürzungen
Mit dem Start der Budgetverhandlungen zwischen den Ministerien und dem Finanzministerium hat auch eine richtungsweisende Phase für den organisierten Sport in Österreich begonnen. Dabei geht es weit über reine Budgetfragen hinaus: Im Zentrum steht die grundlegende Entscheidung, welchen Stellenwert Spitzensport, Breitensport, Bewegung, Gesundheit und gesellschaftlicher Zusammenhalt künftig im Land einnehmen. Bei einem Medientermin im Haus des Sports forderte die Bundes-Sportorganisation Sport Austria daher von der Bundesregierung ein klares Bekenntnis zum Sport als unverzichtbaren Bestandteil einer leistungsfähigen und zukunftsfitten Gesellschaft.
Im Vorfeld der Verhandlungen hat Sport Austria intensive Gespräche mit den relevanten politischen Entscheidungsträger:innen geführt und dabei die zentrale Bedeutung der Sportförderung als Grundlage für Spitzen-, Breiten-, Gesundheits- und Schulsport sowie die daraus resultierenden volkswirtschaftlichen Hebeleffekte verdeutlicht. Die Verhandlungen mit dem Finanzministerium führt nun das Sportministerium.
Sportbranche generiert 8 Mrd. Euro an Steuern und Abgaben pro Jahr: Investitionen in den Sport fließen also zigfach zurück
„Wir hoffen, dass auch in diesen Gesprächen der Mehrwert des Sports und die Chancen, die sich Österreich durch Sport und Bewegung bieten, klar erkannt werden“, sagt Sport-Austria-Präsident Hans Niessl. Hinter Österreichs Sport stehen 580.000 Ehrenamtliche in 15.000 Vereinen, die wöchentlich rund 1,9 Millionen unentgeltliche Arbeitsstunden für unsere Gesellschaft leisten und rund 2 Millionen Menschen in Bewegung bringen.
Sport ist dabei natürlich auch ein entscheidender Faktor für Gesundheit, Wirtschaft und sozialen Zusammenhalt. Jeder investierte Euro kommt vielfach zurück. Besonders bemerkenswert: Die Sportbranche – basierend auf dem organisierten Sport – löst jährlich rund 8 Milliarden Euro an Steuern und Abgaben (Prof. Helmenstein, Anm.) aus, sichert 357.000 Arbeitsplätze und schafft im weitesten Sinn eine Wertschöpfung von 24,1 Milliarden Euro! Gleichzeitig spart regelmäßige Bewegung dem Gesundheitssystem bereits jetzt jährlich rund 527 Millionen Euro.
Weniger Geld, weniger Medaillen, weniger Leistung
Umso kritischer sieht Sport Austria deshalb die aktuelle Problematik rund um das Sportbudget: Bereits das laufende Sparpaket bedeutet jährlich rund 30 Millionen Euro weniger für den Sport – ein Rückgang der staatlichen Fördermittel um rund 13 Prozent. Betroffen sind Spitzen-, Breiten- und Vereinssport gleichermaßen. Weitere Einschnitte im Sportbudget – egal, in welchem Topf – würden die Situation jedenfalls massiv verschärfen und die genannten, hohen volkswirtschaftlichen Hebeleffekte gefährden! Sie hätten bei österreichischen Sportverbänden u.a.
- den Abbau von Trainer:innen
- weniger Trainingszeiten
- geringere Athlet:innen-Budgets
- weniger Nachwuchsförderung
- den Verlust von Know-How und Innovation in Technik und Material
- weniger Wettkampfbeschickungen
- noch größere Infrastrukturprobleme
- Absagen von (Groß)Veranstaltungen
- den Abgang von ehrenamtlichen Mitarbeiter:innen
- und damit auch Schließungen von Vereinen zur Folge.
Unterm Strich würden Kürzungen die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Spitzensports untergraben und die Entfaltungsmöglichkeit des auch aus gesundheitspolitischer Sicht so wichtigen Breitensports stark limitieren. Niessl: „Das würde dem organisierten Sport in Österreich den Boden unter den Füßen wegziehen.“
Ein weiteres Sparpaket zulasten des Sports hätte also weitreichende negative Auswirkungen auf internationale Sporterfolge sowie auf Prävention, Integration, gesellschaftlichen Zusammenhalt und nicht zuletzt auf staatliche Einnahmen (!) aus Steuern und Abgaben. Denn die Rücklaufquote von 8 Mrd. jährlich wäre definitiv so nicht mehr aufrechtzuerhalten: Weniger Mitteleinsatz bedeutet folglich viel weniger Hebelwirkung.
Hans Niessl, Präsident von Sport Austria: „Meine Fragen an die Politik lauten: Wollen Sie, dass das Gesundheitssystem weiter belastet wird? Wollen Sie, dass Österreichs Wirtschaft geschwächt wird, wenn Sie beim Sport Einsparungen treffen? Wollen Sie, dass die Athletinnen und Athleten international zurückfallen und nicht mehr die Voraussetzungen für den Spitzensport haben? Und wollen Sie, dass Sport künftig einen geringeren Beitrag zur Integration leistet, was Integrationsprobleme vergrößern würde? Wenn Sie das alles nicht wollen, dann sorgen Sie dafür, dass das Budget entsprechend ausgestaltet ist und es auch positive Perspektiven für den Sport in Österreich gibt. Denn wer beim ohnehin überschaubaren Sportbudget weiter kürzt, spart nicht – sondern verursacht mittel- bis langfristig deutlich höhere Kosten und reduziert gleichzeitig die staatlichen Einnahmen. Trotz dieser klaren Fakten steht der organisierte Sport erneut unter Kürzungsdruck, obwohl er bereits jetzt jährlich rund 30 Millionen Euro zum Sparpaket beiträgt. Eine weitere Reduktion des Sportbudgets wäre ein Handeln gegen jede wissenschaftliche und ökonomische Logik. Sport Austria fordert deshalb weiterhin zumindest die Umsetzung des versprochenen Comeback-Pakets für 2027 und damit zumindest die Rückkehr zum ursprünglichen Niveau der Sportförderung (2024: Besondere Bundes-Sportförderung rund 120 Mio. Euro, Allgemeine Bundes-Sportförderung: rund 105 Mio. Euro). Das braucht der Spitzensport, das braucht der Breitensport, das braucht Österreich.“
Peter McDonald, Sport Austria-Vertreter für den Breitensport, Präsident SPORTUNION: „Es gibt kaum einen Bereich, der so viele positive Aspekte mit sich bringt wie der Sport: Gesundheit, Integration, Wertebildung. Wir haben 15.0000 Sportvereine österreichweit, durchschnittlich sieben in jeder Gemeinde. Jedes zweite Kind macht in einem Verein Sport. Wir müssen die im Regierungsprogramm festgegebenen Ziele auch ernst nehmen, zwei von drei Kindern in die Sportvereine zu bringen. Wir haben das Sparprogramm im letzten Jahr mitgetragen und aus den Rücklagen versucht, die Vereine zu unterstützen. Jede weitere Einsparung führt aber zu einem Vereinssterben. Uns ist ein Comeback der Unterstützung für den Sport zugesagt worden, wie sie vor den Kürzungen war. Daran wollen wir erinnern. Doch eigentlich sollten wir darüber nachdenken, wie wir die Prioritäten noch stärker auf den Sport setzen und neue Finanzierungsquellen ermöglichen können.“
Thomas Reichenauer, Sport Austria-Vertreter für Leistungs- und Spitzensport, Präsident des Ringsportverbands: „Weitere Kürzungen würde das gesamte System destabilisieren. Der organisierte Sport in Österreich steht an einem Punkt, an dem jede weitere Reduktion negative, direkte Auswirkungen auf Nachwuchs, Leistungssport, Ehrenamt, Infrastruktur und internationale Wettbewerbsfähigkeit hat. Der Sport ist bereits jetzt unter erheblichem Effizienzdruck und leistet seinen Beitrag. Zusätzliche Einsparungen würden nicht zu mehr Effizienz führen, sondern zu einem schleichenden Abbau gewachsener Strukturen. Wenn Österreich seine sportlichen, gesundheitlichen und gesellschaftlichen Ziele ernst nimmt, braucht es Stabilität und gezielte Investitionen – nicht weitere Kürzungen.“
Richard Grasl, Präsident Österreichischer Tennisverband: „Als Präsident des Österreichischen Tennisverbands, des zweitgrößten Sportfachverbands im Land, ersuche ich dringend, von weiteren Einsparungen der Verbandsförderung abzusehen. Dies würde nicht nur dem Österreichischen Tennisverband, sondern auch vielen kleineren Verbänden in ihrer täglichen Verbandsarbeit massiv schaden. Wenn man im Sport spart, spart man definitiv an der falschen Stelle, denn die Rendite des Sports für Gesellschaft, Jugend und Finanzen ist enorm.“
Das bereits laufende Sparpaket im Überblick
- jährlich rund 30 Millionen Euro weniger für den Sport
- Rückgang der staatlichen Fördermittel um rund 13 %
- Betroffen: Spitzen-, Breiten- und Vereinssport gleichermaßen



